DAS JAHRTAUSEND-HOCHWASSER

Wie wir die Naturkatastrophe 2013 erlebt haben

 

Sonne, Sand und Meer – so verbrachte ich die letzte Woche im Mai 2013. Traumhaft! Ich war mit zwei Schulfreunden im Urlaub, während in Passau die Wetterlage eine ganz andere war. Wir haben noch gescherzt, dass wir so schönes Wetter hatten und es daheim die ganze Zeit nur geschüttet hat. Die Rechnung für diesen Spott folgte auf den Fuß. Heute jährt sich das Jahrtausendhochwasser bereits zum fünften Mal. Es kommt mir aber tatsächlich so vor, als wäre es letzten Monat gewesen. 

 

Die Nacht von Sonntag auf Montag blieb ich im Geschäft, um ein Auge auf die Lage zu haben. Der Inn war unglaublich angestiegen und führte doppelt so viel Wasser als die Donau. Diese wurde dadurch immer weiter aufgestaut. Halbstündlich habe ich den Pegelstand im Keller und in der Brunngasse kontrolliert. Als wir dann realisiert hatten, wie schlimm es wirklich kommen wird, mussten wir schnell handeln. 


Mit vereinten Kräften haben wir versucht das Kassensystem und so viel Ware wie möglich in Sicherheit zu bringen. Sandsäcke hatten wir bereits am Abend zuvor vor den Türen platziert, allerdings nur recht sporadisch. Deshalb haben wir die Barrikaden aufgestockt und das war auch gut so. Das Wasser kann man eh nicht aufhalten, aber zumindest den groben Dreck draußen halten.

 

Irgendwann stand die Donau so hoch, dass wir alles liegen und stehen lassen mussten, um nicht vom Wasser eingeschlossen zu werden. Dann hieß es warten. Das waren bange Stunden, in denen man nicht so recht wusste, was passieren wird. Da kommt schon eine gewisse Existenzangst auf. Man fühlt sich machtlos und ist gezwungen einfach zuzuschauen, wie die Dingen ihren Lauf nehmen. Dennoch haben wir es geschafft ein paar Stunden zu schlafen.

 

Am Tag drauf (Dienstag) war ich schon vor 6 Uhr in der Fußgängerzone und noch einer der ersten. Bis auf tapfere, aber erschöpfte Feuerwehrleute war nicht viel los. Vorsichtig hab ich mir einen Weg durch die Überbleibsel der Flut gebahnt und war froh um unsere Barrikaden. Es trieben ganze Mülltonen und zahlreicher Unrat in der Fußgängerzone. Unsere Schutzwälle aus Sandsäcken, Plastikfolie und Brettern hielten aber, was wir uns von der notdürftigen Konstruktion versprochen hatten. Das Wasser war einen guten halben Meter im Laden gestanden. Viele Regale sind durch den Auftrieb umgefallen. Schuhe schwammen im Wasser. Kein Strom - alles war dunkel. 


Noch bevor der erste Schock verdaut war, ging es ans Aufräumen. Dank der Hilfe der großartigen Freiwilligen Feuerwehren von Witzmannsberg und Michelbach bei Alzenau war der Keller noch am Vormittag leer gepumpt. Ich hätte nie gedacht, mich über das Nageln einer Diesel-Wasserpumpe so sehr freuen zu können. Tak-tak-tak, Liter für Liter, tak-tak-tak. Währenddessen waren wir vollzählig und haben das restliche Wasser aus dem Laden geschoben. Alle unsere Mitarbeiter sind ausnahmslos gekommen und haben sofort mit angepackt. Genauso wie die zahlreichen freiwilligen Helfer, die uns ungefragt zur Hand gegangen sind. Es war beeindruckend, wie viel Hilfe von allen aus Passau und Umgebung kam. Ganz besonders muss man auch die Studenten loben, die uns unendlich stark geholfen haben. Allein deswegen muss man Passau einfach lieben!!! 


 

Das Ergebnis: Berge von durchnässten Schuhschachteln, mehrere Container übervoll mit Donausand und ein spontaner Notverkauf der Ware, die das Hochwasser hautnah miterleben durfte. Das Aufräumen ging noch Tage weiter. Je mehr man von anderen Schicksalen erfuhr, wurde einem aber bewusst, dass man noch mit einem blauen Auge davon gekommen war.

 

Auch heute noch werden wir von Auswärtigen angesprochen, dass sie damals im Fernsehen die Schuhe in unserem Schaufenster haben schwimmen sehen. Wir leben nicht nur an den Flüssen, sondern wir leben von ihnen. Dank der einzigartigen Lage an Donau, Inn und Ilz hat unsere schöne Stadt viele Besucher Jahr für Jahr. Die historische Altstadt mit ihren Prachtbauten gibt es nur, weil Passau seit jeher vom Warenhandel auf den Flüssen profitiert hat. Die zahlreichen Besucher, die auf ihrer Flusskreuzfahrt einen Stopp in Passau einlegen, und all die Tagestouristen sind so wichtig für unsere Stadt. Im Jahr 2013 hat sich die Natur ein Stück wieder zurückgeholt. Schauen wir mal, wie es weitergeht!?

 


PS: Entschuldige bitte die schlechte Qualität mancher Bilder. Da merkt man erst, wie gut die heutigen Handy-Kameras sind. ;) Wenn Du Deine Erfahrungen vom Hochwasser 2013 mit uns teilen möchtest, zögere nicht einen Kommentar zu hinterlassen. Ich freue mich! 

 

 

Vielen Dank und bis bald,

Euer Josef